Trauerarbeit
Was bedeutet Trauerarbeit?
Ein Todesfall in der Familie geht für Angehörige meist mit tiefer Trauer einher. Es ist wichtig, die Verlusterfahrung und Gefühlswelt zu verarbeiten, damit die Trauer nicht langfristig Einfluss auf die psychische Gesundheit nimmt. In diesem Zusammenhang ist von der sogenannten Trauerarbeit die Rede.
Trauerarbeit ist ein Prozess
Jeder Mensch geht anders mit Trauer um. Daher ist es schwierig abzuschätzen, wie viel Zeit Trauerarbeit in Anspruch nimmt. Trauern ist ein Prozess, der Tage, Wochen, Monate und in manchen Fällen sogar Jahre andauern kann. Während des Trauerprozesses setzen sich Angehörige mit ihrer Verlusterfahrung auseinander und verarbeiten die Emotionen, die mit dem Tod eines Menschen einhergehen.
In der Psychologie gibt es unterschiedliche Modelle, die den Trauerprozess beschreiben. Eines davon wurde von der Schweizer Psychologin Verena Kast entwickelt, die den Trauerprozess in vier Phasen unterteilt:
1. Trauerphase nach Verena Kast
Ohnmacht, Hilflosigkeit, Verzweiflung. Bei einem Todesfall in der Familie sind Angehörige im ersten Moment schockiert. Einige sind wie erstarrt, andere brechen emotional zusammen. Gerade in dieser Trauerphase kommt es häufig dazu, dass Hinterbliebene den Tod leugnen und nicht wahrhaben wollen. Daher wird diese Phase des Trauerprozesses auch als „Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens“ bezeichnet.
2. Trauerphase nach Verena Kast
In der zweiten Trauerphase wird nach Verena Kast die Gefühlswelt meist von vielen unterschiedlichen Emotionen bestimmt. Wut und Schmerz können ebenso dazu gehören wie Schuldgefühle, die in Hinterbliebenen aufkommen und aus ihnen herausbrechen. Deshalb ist bei dieser Trauerphase von der „Phase der aufbrechenden Emotionen“ die Rede.
3. Trauerphase nach Verena Kast
Im Mittelpunkt der dritten Trauerphase nach Verena Kast steht in der Regel die aktive Auseinandersetzung mit dem Tod des/der Verstorbenen. Dabei besuchen Trauernde oft Orte, an denen sie Zeit mit dem/der Verstorbenen verbracht haben. Viele Angehörige besuchen in dieser Phase auch häufig die Grabstätte, um Zwiegespräche mit dem/der Verstorbenen zu führen und die Trauer über den Verlust zu verarbeiten. Dabei spielen die Erinnerung und das bewusste Abschiednehmen von der verstorbenen Person eine ebenso wichtige Rolle für die Trauerarbeit wie die Suche nach neuem Lebensmut. Vor diesem Hintergrund wird diese Trauerphase als „Phase des Suchens und Sich-Trennens“ bezeichnet.
4. Trauerphase nach Verena Kast
Befinden sich Angehörige in der letzten Trauerphase nach Verena Kast, dann haben sie die Trauer verarbeitet und den Tod des/der Verstorbenen akzeptiert. Neue Pläne für das eigene Leben werden geschmiedet, wobei Erinnerungen an schöne Momente mit dem/der Verstorbenen ein wichtiger Teil im Leben der Angehörigen bleiben. Diese Phase der Trauerarbeit wird als „neuer Selbst- und Weltbezug“ bezeichnet.
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